Das ist ein Experiment für unsere Übergangszeit: Unter dem Titel Versuchsräume in Schichten (ViS) entsteht hier eine Publikationsplattform für journalistische, analytische, künstlerische und explorative Arbeiten des Autors. ViS ist zwar nicht als „Blog“ – ein Begriff mit ranzig gewordenem Aroma – oder „Logbuch“ konzipiert, sondern als Produktionsstätte (Versuchsräume) und werkgeschichtliches Archiv (Schichten), doch auch hier agiert der Verfasser als sein eigener Herausgeber.
Mit diesen Versuchsräumen will er verstehen lernen, was seine öffentliche Kommunikation künftig sein soll, gegenwärtig erzeugt und im Rückblick bedeutet. Dafür führt er das hier eingerichtete Medium so unabhängig wie möglich. Als „freier“ Publizist hat er zwar auch bisher auf eigenes Risiko gearbeitet. Aber ein „monografisches“ Medium wie dieses steigert die Möglichkeiten der Navigation in eine Zukunft, die noch irritierender zu werden verspricht als die angespannte Gegenwart von heute, Ende 2025. Vieles muß jetzt ganz anders gesehen, gedacht und gemacht werden als bisher.
Insgesamt drängt der Herausgeber seinen Autor dazu, einen Kurs der Kritik, Recherche und Kunst zu entwickeln, der zum Teil auch im Rahmen anderer Medien geführt werden kann. Doch die Nutzung etlicher für die hier praktizierte Navigation nötigen Freiheiten sollten weder Verlegern noch Lektoren oder Redakteuren unnötiges Kopfzerbrechen bereiten.
Bis zum Bau dieser Plattform hat der Autor künstlerische, theoriebezogene sowie seit 1986 auch journalistische Interessen verfolgt und vor allem letztere öffentlich verarbeitet. Der Reiz dabei war stets die Regel, daß Journalismus, Kunst und Theorie allen postmodernen Verwischungen zum Trotz eigenen, klar voneinander abgegrenzten Logiken folgen müssen. Eine bewußte Zumischung von Hybridformaten aus unterschiedlichen Disziplinen hat diese Regel nicht unterlaufen, sondern erweitert und bestätigt.
Mit dem nötigen Ernst betonen der Autor, sein Herausgeber und ihr Ich samt deren Stellvertretern, Masken respektive Kontexten in Personalunion, daß sie dieses Netzmedium aus reiner Neugierde produzieren und die pathetische Behauptung vom „Tod des Autors“ nach wie vor äußerst unterhaltsam finden. Als Repräsentant dieses Projekts übernimmt der Urheber namentlich die Verantwortung für alle hier veröffentlichten Formen (nicht aber für die Inhalte verlinkter oder zitierter Medien) – auch wenn ViS an ein Spiegelkabinett erinnert, in dem die Union sich aufzulösen und eine Versammlung unterschiedlicher Figuren am Werk zu sein scheint.
Struktur
Als mediale Architektur sind die Versuchsräume in Schichten auf fünf Bereiche verteilt. Über den Namen helmut ploebst im Zentrum der Startseite ist nicht nur dieses Vorwort zu erreichen, hier sammeln sich auch autobiografische Erzählungen an und ebenso alle das ViS-Netzkonstrukt selbst betreffenden Elemente, darunter eine Publikationschronologie und das Impressum. Für die vier weiteren Bereiche gilt:
• Unter Essays kommen wissenschaftlich orientierte Texte und Versuche zusammen, einige Vorträge, die der Autor eingeladen war zu halten, und außerdem Materialien aus seinen Vorlesungen an Universitäten.
• In Literatur testet die Sprache, welche Fiktionen der Urheber oder seine Doubles aus ihr zu ziehen vermögen.
• Künstlerische Forschung und Experimente werden in den teilöffentlichen Laboren umgesetzt.
• Das Labyrinth Medien dient der Erkundung und Weiterentwicklung eines journalistischen Werks, das hauptsächlich, aber nicht ausschließlich unter dem Namen Helmut Ploebst veröffentlicht wurde und wird. In einem selektiven und aktiven Archiv, das in Etappen entsteht, finden sich über vier Jahrzehnte hindurch publizierte Artikel: teils in den originalen Manuskriptfassungen, teils als Scans der Papierarchivalien.
Alle archivarischen Aktivitäten in ViS dienen der Vereinigung verstreuter Texte an einem Ort, ausnahmslos unter Nennung der jeweiligen Erstveröffentlichungsquellen. Zusätzlich stellt die Publikation von originalen (meist nochmals korrigierten, aber inhaltlich unveränderten) Artikelmanuskripten in diesem Netzareal deren eigenständige Identität sicher – überwiegend mit den vom Autor vorgeschlagenen Titeln, ohne Berücksichtigung von Bearbeitungen der unterschiedlichen Redaktionen.
In der Aufbauzeit der Versuchsräume in Schichten ab dem 30. November 2025 werden anfangs nur wenige Beiträge zu lesen sein. Nach Ablauf der ersten Einrichtungsperiode bis zum selben Datum im Jahr 2028 allerdings könnte dieses Medium bereits mehr als tausend enthalten. Journalistische Archivtexte sind jeweils in der ursprünglich genutzten Rechtschreibung implementiert. Die hier darüber hinaus gültigen Schreibweisen allerdings folgen anderen Regeln, vorsätzlich in Abweichung von der gängigen Norm. Für die literarischen Texte und alle weiteren künstlerischen Beiträge auf dieser Netzseite gelten ohnehin eigene Sprachlogiken.
Der Autor freut sich über alle Leserinnen und Leser. Namentlich gezeichnete und identifizierbare Reaktionen nimmt der Herausgeber gerne über die Mailadresse korrespondenz@ploebst.at entgegen. Zuschriften unklarer Provenienz werden ungelesen gelöscht. Noch eine Anmerkung: Das Design dieser Netzseite ist mit Absicht als Anspielung auf das Redesign (2017) von corpusweb.net gehalten, als Reverenz an ein für den Autor im Jahr 2021 beendetes Kollektiv-Projekt, das 2023 eingestellt wurde.
(30.11.2025)